Die Aufgabe in Deutsch war, einen Text zum Thema Werbung zu schreiben und dabei möglichst variabel Kommas einzusetzen.
Nachdem ich die Aufgabenstellung großzügig ignorierte, setzte mich des Abends kurz hin und schrieb den Text hier alibiweise nieder. Als ich fertig war, gefiel er mir recht gut, was ein positiver Nebenaspekt war.
Also entschied ich, ihn hier rein zu stellen, auf dass er hier vergammelt und nie gelesen ward.


Viele Menschen geben sich eine Heidenmühe, ihre geheimen Botschaften zu verschlüsseln. Texte auf Papier werden um 13 Buchstaben rotiert, Texte auf dem Computer werden durch diverse Algorithmen gejagt, selbst die Bibel ist voll von geheimen Botschaften und Pseudowissenschaftler versuchen alles, um die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest in diversen Musiktiteln zu erspähen.
Am interessantesten jedoch ist die Verbergung geheimer Botschaften in den beliebten fünfminütigen Werbeblöcken im Fernsehen. Hier geht es selten um Philosophie oder Verschwörung, sondern um die Überbringung einer eindeutigen Nachricht, möglichst so platziert, dass der Zuschauer gar nicht merkt, dass er sie vernimmt. Der Inhalt: „Kaufe. Konsumiere. Reichlich.“
Unterbewusste Manipulation durch Massenmedien war auch schon früher ein bewährtes Mittel, um Menschen zu kontrollieren. Damals ging es noch nicht um die Erweckung ungeahnter Bedürfnisse oder Fokussierung der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Produkt, wie z.B. Eier oder Milch vom Konsum um die Ecke, vielmehr ging es um die Vermittlung von Werten und Normen, Auffassungen und Meinungen, die die derzeitige Langzeitregierung am besten repräsentieren.
Man lernte. Heute, in der aufgeklärten Konsumgesellschaft, nutzt man Massenmedien, um die Wirtschaft anzukurbeln – und das mit Erfolg. So kann nicht nur der Werber durch geschickte Platzierung von Kaufbefehlen aus Scheiße Gold machen, nein, auch der Überlieferer der Botschaft, also der Fernsehsender, verdient sich daran eine goldene Nase. Dass der potentielle Käufer über die dezente Platzierung von Werbebotschaften nicht so sehr erbaut ist, dürfte einleuchten, denn wer will schließlich an der spannendsten Stelle eines Filmes aufgescheucht werden, um auf die unglaublichen Vorzüge von Handyklingeltönen und Alkohol aufmerksam gemacht zu werden?
Sollten Sie morgen aus irgendwelchen Gründen unbändiges Verlangen nach Rasierern, Lebensversicherungen, Buttermilch, Internetzugängen oder Flachfernsehern verspüren: Sie wissen, wem Sie es zu verdanken haben.

Bei all der Verteufelung der Werbung darf man aber eines nicht vergessen: Ohne sie hätte man des Abends kaum die Zeit, die Kartoffelchips, die man erst gestern in der Werbepause gesehen hat, nachzufüllen.