[Updated: 04.04.08]

Die Anmeldung für drei der fünf Übungsgruppen für Informatiker des zweiten Semesters ist schwer nach hinten losgegangen. Doch beginnen wir die Geschichte von vorn:

Vor einiger Zeit wurde die Eröffnung der Eintragung für die Übungsgruppen von [Vorlesung A] für gestern (Montag) 13:00 Uhr bekannt gegeben. An diesem Termin wurde all die Zeit lang nicht gerüttelt, obschon bekannt war, dass wir unmittelbar davor [Vorlesung A] hören mussten, während unmittelbar danach [Vorlesung X] folgte, in der es ein striktes Laptopverbot gibt (Update: zum Mitschreiben der Vorlesung ausgenommen).

Im letzten Semester hatte sich bewährt, die Einschreibung für die Übungen weit vorher anzukündigen und dann zu Zeiten durchzuführen, in denen jeder die Möglichkeit hat, daheim zu sitzen und sich einzuschreiben. Von dieser Vorgehensweise wurde in diesem Semester Abstand genommen.

Am Tag der Einschreibung stellt sich um 12:45 heraus, dass die Anmeldung bereits geöffnet ist. Panik bricht aus, da viele sich bereits einen Stundenplan zusammengestellt haben und den möglichst auch beibehalten möchten – auch in den “Cliquen” (as opposed to: Übungsgruppen), in denen man sich zusammengefunden hat. Bereits um 12:45 ist die von uns bevorzugte Gruppe voll. Warum, weiß keiner. Wir tragen uns für eine Ersatzgruppe ein, ich schreibe eine Beschwerdemail an die Organisation, in der ich versuche, meine unbeschreibliche Wut auf die Situation in halbwegs zivilisierte Worte zu fassen. Es gelingt mir, wie ich finde, recht gut:

[Grußformel]

mit Schrecken stellten wir heute um 12:45 fest, das die Anmeldung bereits geöffnet war. Ursache dafür war wahrscheinlich fehlerhafte Programmierung der Zeitumstellung [Anm. des Autors: die Vermutung war falsch]. Damit konnten sich Studenten bereits um 12:00, also während der Vorlesung, für die Übungen eintragen, wodurch die von uns bevorzugte Übung, [Beschreibung], bereits weit vor dem eigentlichen Beginn der Anmeldung voll war.
Ich empfinde diese Situation als unendliche Sauerei für alle Studenten, die der Vorlesung nichts ahnend weiter folgten, um etwas zu lernen, und somit die Chance auf eine gute Gruppe verloren.

Meine Verachtung in der Sache geht natürlich auch hauptsächlich an den Programmierer bzw. Serverbetreuer. Ich möchte mich für meine Wortwahl entschuldigen, jedoch, mit Verlaub: Ich bin stinksauer. [Anm. des Autors: die "Verachtung an den Programmierer" hätte ich wirklich weg lassen sollen, Entschuldigung]

Im fairen Idealfall folgt eine E-Mail an alle Angemeldeten und eine erneute Eröffung der Anmeldung zu einem anderen Zeitpunkt (außerhalb der Vorlesungszeiten).

Mit freundlichen Grüßen,
Markus Köppen

Es folgte die [Vorlesung X], danach die Übung zur [Vorlesung X]. Ich prüfte meine E-Mails. Eine Antwort der Organisation. Die Einschreibung sei bereits um 12:45 möglich gewesen, weil es eine Beschwerde gegeben habe, dass um 13 Uhr eine Vorlesung ohne Laptopmöglichkeit stattfinde. Das stimmt so. Nicht in Ordnung ist, eine solche Änderung nicht vorher anzukündigen. Später erfuhr ich vom Verfasser dieser E-Mail, er habe die Organisation gebeten, aus Fairnessgründen die Einschreibung auf 19 Uhr zu verschieben, damit jeder die gleichen Chancen hat. Das verschweigt mir die Organisation ebenfalls in der Mail.

Es folgte eine E-Mail-Konversation (von meiner Seite aus erneut mit Entschuldigungen für den Ton der letzten Mail unterlegt) mit dem Ergebnis einer Verabredung für den nächsten Tag im Büro der Organisation, um das Problem zu lösen.
Heute (Dienstag) Morgen fand [Vorlesung B] statt, in der die Ankündigung fallen gelassen wurde, dass direkt in ihrem Anschluss (15 Minuten später) die Anmeldung für die Übungen erfolgen sollte. Unbehagen bei allen, die ohne Laptop zur Vorlesung erschienen sind (was man eigentlich zum guten Ton zählen würde: eben NICHT in der Vorlesung mit dem Rechner zu spielen). Ich begebe mich nach [Vorlesung B] in einen Computerraum und will die Zeit bis zur Eröffnung irgendwie überbrücken. Eher aus Spaß spiele ich mit dem Übungsanmeldeformular für [Vorlesung A], ersetze in der Adresszeile die Kurzform von [A] mit der Kurzform von [B] und bin, zu meiner Verwunderung, in der offensichtlich bereits eröffneten Anmeldung – die Hälfte der Plätze ist bereits belegt (und das, obwohl das Skript nachweislich über eine Funktion verfügt, die vorzeitige Anmeldung verhindert – offensichtlich ausgeschaltet). Völlig schockiert hämmere ich meine Daten in das Formular und verweigere sofort darauf anderen Anwesenden im Raum den Blick auf die Adresszeile (wofür ich mich ausdrücklich entschuldigen möchte, jedoch: Wenn soetwas passiert, reagiere ich leicht panisch – und ich wollte mir und meiner Arbeitsgruppe den Zugang zur selben Gruppe ermöglichen. Nichtsdestotrotz: Entschuldigung) – melde mich ab um laufe zurück in den Hörsaal, wo “meine Clique” noch mit ihrem Laptop auf 13 Uhr wartete und derweil Bilder bestaunte. Auf anderen Laptops im Hörsaal sah ich ebenso die Anmeldung leuchten – der fehlende Schutz war offensichtlich ein offenes Geheimnis.

Während meine Leute sich also in die Übungsgruppe eintrugen (sie haben es tatsächlich noch geschafft – Gott sei Dank), höre ich – die Anmeldung ist noch immer nicht offiziell eröffnet – eine andere “Clique”, die ausgelassen feiert und häufig lacht und “geil” fallen lässt. Es stellt sich heraus: Diese “Clique” hatte die Schwachstelle in der Sperre bewusst ausgenutzt und sich bereits am Vorabend eingetragen und brüstet sich jetzt damit, sich nun nicht durch die Anmeldung kämpfen zu müssen. Ebenso haben sie sich für die Übung zu [Vorlesung C], für die, wie sich herausstellte, noch nichtmal ein Einschreibetermin veröffentlicht wurde, eingetragen.

Meine Wut auf die Organisation stieg erneut an. Wenige Minuten später würden wir ein Gespräch haben, in der wir die Probleme beseitigen würden. Ich beruhigte mich. Wir würden das schon hinbekommen, man würde sich darüber ausreden. Wir gingen hin.

Die heitere Diskussionsrunde wurde durch die Organisation eröffnet, indem sie meine Mail ausgedruckt vor sich liegen hatte und beanstandete, dass diese keine Diskussionsgrundlage bieten würde. Man habe die Wörter “Sauerei”, “Verachtung” und “stinksauer” markiert, sie dem Dozenten gezeigt und beschlossen, dass damit die ganze Nachricht nichtig sei. Wir begannen also bei null.

In der darauffolgenden Diskussion stießen unsere Argumente auf taube Ohren [Update: näheres dazu im unten abgebildeten Brief]. Es war kein Gespräch oder eine Verhandlung, es war eine geplante und strukturierte Absage, ohne jegliches Interesse, irgendwas zu ändern.
Es folgte der Hinweis, dass man die Übungseinschreibung wohl das letzte Mal so geregelt hat, man lernt schließlich daraus, wenn solche Mails kommen (wobei 20 andere das “wesentlich freundlicher und netter” ausgedrückt haben und man da natürlich viel eher bereit wäre, zu helfen). Man plant, nun die Übungsanmeldung zu einem zufälligen Termin zu öffnen und diesen nicht bekannt zu geben.

Fazit: Ich hab mich nicht darum geprügelt, Freitag nicht kommen zu müssen, sondern dafür, dass alle gleich behandelt werden sollen. Es gibt nunmal auch Leute, die keine eigene Wohnung am Campus haben (zu dieser Gruppe zähle ich z.B. persönlich nicht) und die dann ungern 6 Stunden an der Uni rumhängen und nichts zu tun haben – und man sollte auch diesen Leuten die Chance geben, sich einen Stundenplan zusammenzustellen. Das Problem lag hier eindeutig im Prinzip. Das Prinzip der Gleichbehandlung der Studenten. Wäre die Anmeldung zu einem passenden Zeitpunkt erfolgt und wirklich für alle zum gleichen Zeitpunkt zugänglich gewesen, hätte ich mich im Fall mit einer schlechten Gruppe abgefunden und mich nicht weiter beschwert. Es gab aber eindeutig einen Mangel an moralischer Konsequenz sowie technischer Sicherheit, der durch [gewisse Gruppen] absichtlich für den eigenen Vorteil missbraucht wurde.
Genau soetwas werde ich nie so stehen lassen.

Es wird Zeit, dass Organisatoren die technischen Möglichkeiten, die sie haben, nutzen und sich im Vorfeld eine intelligente Strategie zu überlegen, wie man eine Anmeldung fair für alle gestalten kann.

Update:

[Grußformel]

ich bin froh, dass das Anmeldechaos mit der [Anmeldung zu Vorlesung C] vorbei ist. Abschließend möchte ich allerdings ein kleines Resümee von mir geben.

Anfang März traf ich mich mit [Person A], damit wir uns gemeinsam einen Stundenplan für ihn, [Person B] und mich zusammenstellen können. Uns ging es dabei weniger darum, nicht am Freitag kommen zu müssen (dass wir am Freitag nichts haben, stellten wir nämlich erst fest, als wir fertig waren), sondern vor allem um die Aufteilung der Aufgabenpakete auf verschiedene Tage. Z.B. wäre es sehr unpraktisch, an einem Wochentag drei verschiedene Übungen zu Programmier-Vorlesungen ([Vorlesung A], [Vorlesung B] und [Vorlesung C]) zu haben, da sich einer von uns stets mit der Programmierung herumschlägt und die Akkumulation dieser drei Übungen auf einen Tag damit sehr ungünstig wäre.
Wichtig war uns auch, geregelte Pausenzeiten zu haben, bspw., um gemeinsam Mittag essen gehen zu können (was uns z.B. Montag und Donnerstag nicht gelungen ist, weil wir dort von 9:00 bis 17:00 quasi durchgehend Lehrveranstaltungen haben und die jeweils zwei akademischen Viertel gerade reichen, um den Raum bzw. das Gebäude zu wechseln).

Sie sehen: Gerade wenn man das Studium nicht alleine, sondern in einer Gruppe bestreitet, wird es schwierig, alles zu koordinieren. Auch Prof. Horton predigt uns grundsätzlich Planung und Zeitmanagement. Dies ist bei derlei verworrenenen Anmeldeumständen schlicht unmöglich.

Vorab möchte ich betonen, dass ich keineswegs eine Änderung wünsche, da ich froh bin, dass alles vorbei ist. Ich möchte vielmehr aufzeigen, warum wir mit den Umständen ein Problem hatten (und dass es keineswegs nur egoistische Gründe waren, sondern vor allem jene, die sich vom moralischen Prinzip der Gerechtigkeit ableiten – schließlich waren wir ganz offensichtlich nicht die einzigen, die gewissermaßen benachteiligt wurden).

Zur [Anmeldung zu Vorlesung A]:
Die Anmeldung wurde unangekündigt 15 Minuten vorher eröffnet, wodurch es nur jenen, die in der Vorlesung sowieso den Laptop offen haben, möglich war, dies rechtzeitig zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Alle, die den Laptop in der Vorlesung ausgeschaltet lassen (was wünschenswert ist) bzw. gar nicht erst einen Laptop dabei hatten (z.B. aus finanziellen Gründen), wurden damit unbewusst benachteiligt.

Zur [Anmeldung zu Vorlesung B]:
Die Anmeldung wurde zum vorher genannten Zeitpunkt auf der Übungsseite verlinkt (jedoch, siehe oben, erneut direkt nach der Vorlesung). Allerdings war der Link bereits auf der Seite enthalten: nämlich als Kommentar. Einige haben den Link bereits am Vorabend gefunden und den gesamten Freundeskreis eingeweiht. [Eine gewisse Gruppe] z.B. war, als die Anmeldung gerade offiziell eröffnet wurde, damit beschäftigt, zu feiern, zu lachen und herumzuposaunen, dass man sich schon längst eingeschrieben hat und sich deshalb entspannen und sich stattdessen über die armen Opfer, die jetzt voll unter Stress stehen, lustig machen kann (“Geil … geil … haha … geil”). [Update: Abschnitt entfernt] Sie sehen: Auch hier wurden vor allem Einzelpersonen und Personen, die keinen anderen, inoffiziellen Weg auf die Anmeldeseite gesucht haben, stark benachteiligt [Update: Abschnitt redundant --> entfernt].

Zur [Anmeldung zu Vorlesung C]:
Dass die Anmeldung unverhofft bereits vorher offen war und alle Einträge gelöscht wurden, wissen wir bereits. Hier haben Sie sich [hinterher] für eine Zufallsanmeldung entschieden. Dass allein schon dadurch Gruppen vor Einzelpersonen bevorzugt werden, weil diese im Durchschnitt n mal so oft prüfen können (2*n Augen sehen mehr als 2), ob die Anmeldung geöffnet wurde, um dann den Rest der Gruppe zu informieren, dürfte ebenso klar sein. Ein weiteres Problem war, dass ich [Prof. A] in der Vorlesung gefragt habe, auf welcher Seite der Link zur Anmeldung erscheinen wird. Seine Antwort: Auf der Tutorien-Seite. Ich glaube, Sie wissen, dass das nicht der Fall war.
Unvorteilhaft war auch, dass die URL der Anmeldung [nach der vorausgegangenen Aktion] nicht geändert wurde. Ich habe diese Seite nicht überprüft, halte es aber für möglich, dass die Anmeldung erneut bereits geöffnet war, als sie noch gar nicht verlinkt war.

In einer Gesellschaft wie unseren ist das Thema Gleichbehandlung der Menschen von immenser Bedeutung. Sie haben in ihrem E-Mail-Postfach (nicht nur von mir) mitbekommen, wie groß der Aufschrei ist, wenn Menschen feststellen, dass sie benachteiligt werden. Gerade bei sehr zeitkritischen Dingen und Chancen spielt die Gerechtigkeit der Zeitfrage eine große Rolle. Ihnen ist sicherlich bekannt, dass nach einer Anmeldung bereits nach weniger als einer halben Minute die ersten Gruppen voll sein können und dass somit eine Abweichung von diesen 30 Sekunden bereits das Aus für den Plan heißen kann – was derjenige, dessen Möglichkeiten um 30 Sekunden nach hinten verlagert wurden, natürlich als immense Einschränkung seiner Rechte empfindet. Aus diesem Grund ist es notwendig, Ereignisse, die in ihrer Ausdehnung so kurz sind, für alle genau gleich zu regeln.

Sehr schön hat das [Prof. B] ([Vorlesung X]) gelöst: Sie bestimmte einen Ort, der eindeutig durch einen Link definiert wurde, und bestimmte eine Zeit, von der sie wusste, dass es für die meisten Studenten möglich wäre, an diesem Zeitpunkt sich einen Rechner zu suchen und die Anmeldung vorzunehmen. Im letzten Semester war es 22:00 Uhr am Tag der ersten Vorlesung, in diesem Semester 16 Uhr an einem Tag in der vorlesungsfreien Zeit. Wenn man den Link vorher besuchte, wurde einem mitgeteilt, wann die Anmeldung eröffnet wird und dass alle Anmeldungen, die evtl. vorher durchgeführt würden (was eigentlich nicht möglich war), gelöscht würden. Auf die Sekunde genau öffnete dann die Anmeldung. Die ersten Gruppen waren zwar erneut bereits nach 30 Sekunden voll – dennoch hatte keiner einen Grund, sich zu beschweren: Alle hatten dieselben Startvoraussetzungen – durch einen weiteren Faktor: Die Anmeldung erfolgte sofort, nicht erst, nachdem ein Link in einer E-Mail geklickt wurde.
Das Problem nämlich: Manche E-Mail-Provider lassen sich etwas Zeit bei der Auslieferung der E-Mails (bei der [Vorlesung C]-Anmeldung brauchte Arcor 30 Minuten, bis die Nachricht ankam – als ich das merkte, schob ich eine Anmeldung über GMail hinterher, die binnen Sekunden eintraf). Bis die E-Mail angekommen ist, vergeht so viel Zeit, dass die Gruppe bereits voll ist, wenn die Mail ankommt. Der Grund: Es werden von ihrem Skript mehr E-Mails rausgeschickt, als Plätze vorhanden sind. Trägt man sich, nachdem man gemerkt hat, dass die Mail nicht mehr rechtzeitig kommt bzw. gekommen ist, für eine andere Gruppe ein, beginnt das Spiel von vorn.

Mein persönliches Fazit:
Ich stimme Ihnen zu: Es kann und wird nie eine absolute Gerechtigkeit geben, aber man kann, wie Frau [Prof. B], versuchen, Umstände, die zu gefühlter Ungerechtigkeit führen, von vornherein zu vermeiden.

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine E-Mail zu lesen. Ich möchte mich noch einmal für die von mir verursachten Unannehmlichkeiten entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen
Markus Köppen