Archiv für Mai 2008

Spaßberufe heute: Technischer Überwacher

Als ich heute von der Uni in meine Wohnung (Wohnheimzimmer) kam, fand ich an meinem Herd einen Sticker “Elektr. geprüft”, dazu Jahr und Monat des nächsten Prüftermins sowie Name und Telefonnummer der prüfenden Firma. Zugangserlaubnis zu meiner Wohnung hatten sie, da die Aktion seit drei Wochen über Aushang angekündigt war und ich keinen Widerspruch eingelegt hatte. Unbekannt war mir, wann sie kommen würden, weshalb auf meinem Herd gerade mein übervoller Geschirrabtropfer abgestellt war.
Der wurde in meiner Abwesenheit nachweislich nicht bewegt. Das wäre nämlich aufgrund der Fülle gar nicht möglich gewesen, ohne, dass alles runter fällt. Auch von unten haben sie sich dem Herd nicht genähert. Nur Sticker drauf und wieder weg.

So wünsche ich mir die TÜV-Prüfungen bei meinem zukünftigen Auto auch.

Die OvGU wählt (nicht rechts)

Heute sind vom Rektorat zwei E-Mails mit Wahlaufrufen, Kandidatenlisten, etc. bei mir eingetroffen. Eine der E-Mails liest sich wie folgt:

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
der Studentenrat sowie 5 Hochschulgruppen der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OvGU) haben in öffentlichen
Erklärungen dazu aufgerufen, an den Gremienwahlen, die vom 02. Juni —
04. Juni 2008 stattfinden, teilzunehmen. Sie wollen damit dazu
beitragen, dass die studentischen Vertreterinnen und Vertreter in den
Gremien der OvGU ein eindeutiges Mandat erhalten.

Gleichzeitig geht es darum, der studentischen Liste für die Wahl zum
Studentenrat, die von einem Mitglied des Bundesvorstandes der
NPD-Jugendorganisation angeführt wird, eine klare Absage zu erteilen.

Die Studierendenschaft der OvGU hat schon vor einem Jahr deutlich
bekundet, dass sie für eine tolerante, weltoffene und solidarische
Universität eintritt und Angehörige rechtsradikaler Organisationen
keinen Platz in den gewählten Gremien der Universität haben.

Namens des Rektorats unterstütze ich diese beiden Aufrufe ausdrücklich
und bitte darum, diejenigen Kandidatinnen und Kandidaten zu
unterstützen, die eindeutig für Toleranz, Weltoffenheit und
demokratische Gesinnung eintreten.

Prof. Dr. K. E. Pollmann
(Anm. des Bloggers: Rektor)

Ich also in die Kandidatenliste geguckt und sämtliche Listenanführer mittels Google untersucht, um wen es sich handeln könnte. Interessant dabei ist, dass der Name der gesuchten Person zu einem Direktkandidaten der Linkspartei führt. Die Webseite dieses Kandidaten wurde 2006 das letzte Mal aktualisiert. An der Stelle dachte ich mir dann schon: “Hut ab, von der Linken zum JN-Bundesvorstand in nur 2 Jahren” – zumal der Besitzer der Webseite aus Wittenberg kommt und “zur Zeit Studium Politikwissenschaft” unter “Persönliches” eingetragen hatte. Und siehe da: Auf der Kandidatenliste wird die gesuchte Person der FGSE zugeschrieben.
Warum sollte aber ein Linker plötzlich so extrem rechts werden? Bei einem dreitägigen Seminar mit einem Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung (der Link enthält das Zitat, die entsprechende Person ist nicht aufgelistet) vor einigen Jahren wurde mir das klar:

Löst man sich von der klassischen „Links-Rechts-Dichotomie“ und stellt sich das politische Spektrum stattdessen als Hufeisen vor, so findet man an beiden Enden die extremistischen (vom lateinisch „die äußersten“) Lager. Wie die Enden eines Hufeisens ziehen sich beide Richtungen gleichermaßen an wie sie sich abstoßen: Links- und Rechtsextremisten bekämpfen einander; einig sind sie in ihrem Ziel – der Beseitigung der Demokratie.

Stutzig gemacht hat mich allerdings das folgende Zitat auf der Webseite:

Kampf gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus
In den letzten vier Jahren habe ich permanent im Landtag dafür gearbeitet, dass für den Kampf gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus in unserem Land endlich finanzielle Mittel für regionale demokratiestärkende Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Seit 1999 werden dafür in Sachsen-Anhalt eine Million Euro im Haushalt eingestellt. Das ist für mich ein sehr wichtiges Ergebnis meiner Arbeit.

Bei einer weiteren Suche nach Fotos und anschließendem Vergleich stellte sich der Name damit als Zufall und die Personen als verschieden heraus.

Ich unterstütze das Rektorat in dieser Meinung, hätte die Liste allerdings durch den nichtssagenden und, ich sag mal, semantisch trivialen Namen sowieso für unwählbar gehalten.

Hier noch ein netter “ZEIT Campus”-Artikel

Weswegen ich diesen Beitrag aber eigentlich begonnen habe:
Anfang April (einige erinnern sich) veröffentlichte ich hier einen Text, in dem ich u.a. gegen zwei Kommilitonen verbal in den Krieg zog. Der Krieg ist inzwischen eher beigelegt, jedoch erinnere ich mich an ein Gespräch mit dem Öffentlichkeitsreferent des Fachschaftsrates, in dem mir gesagt wurde, dass sich der Text (speziell die Anschuldigung gegen besagte Herren) an der Grenze der Ligitimität befinde, jedoch nach der Veröffentlichung der Kandidatenliste für die Gremienwahlen ein solcher Text wegen “Wahlbeeinflussung” illegitim wäre (wobei ich mich schon fragte, warum Meinungsfreiheit an der Stelle aufhören sollte, es aber erstmal so hinnahm).
Beim Lesen der Mail des Rektors fragte ich mich allerdings: Ist “Wahlbeeinflussung” dann nicht für alle untersagt?

Einblick in den Polizeistaat

Noch turbulenter als an dem Tag, an dem 1. Mai und Herrentag zusammenfallen, wird es in Magdeburg, wenn der örtliche Fußballverein, nach Lokalmeinung einer der meistunterschätzten Vereine der Welt, ein Heimspiel gibt.
Vor allem das Polizeiaufgebot überrascht:

Im Bahnhof 3 Polizeihaufen à 10 Mann, jeweils bewaffnet und mit Helmen ausgestattet.
Straßenbarrikaden im Bahnhofstunnel.

Vor dem Bahnhof weiteres Polizeiaufgebot; größere Ansammlungen von FCM-Fans.

Im City-Carré weitere Ansammlungen gröhlender, klatschender, feiernder Fans.

Durch Polizeisperren sammeln sich die Straßenbahnen, die nicht weiterfahren können.

Auf dem Weg zwischen City-Carré und Allee-Center (300 Meter) kamen mir zwei Polizeikolonnen à mind. 20 Wagen entgegen. Eine weitere stand bereits auf der Straße bereit. Und wiederum zwei weitere Polizeikolonnen ähnlicher Größe eskortierten eine Straßenbahn voller Fans der Gegnerischen Mannschaft. Trotz der Eskorte trauten sich Männer mit schwarzen Kaputzenpullis (“Thor Steinar”) und Sonnenbrillen, auf die Straßenbahn zuzustürmen und auf die Fenster einzuprügeln. Als ein Polizeiauto von hinten mit Martinshorn kam, um die Pöbler zu vertreiben, zerstreuten die sich im Unterholz des Parks nebenan.

Mindestens 2 (eher 3) Polizeihubschrauber in der Luft.

Ich hätte nie damit gerechnet, dass Magdeburg eine solche Zahl an Polizeiautos und -beamten zu bieten hat.
Anmerkung: Ich weiß nicht, gegen wen der FCM gespielt hat oder wie es ausging.

Geschützt: 300 Fragen

Dieser Artikel ist passwortgeschützt. Um ihn anzusehen, trage das Passwort bitte hier ein:


Bald US-Angriff auf Iran?

CBS berichtet, dass das Pentagon sich auf einen Angrif auf den Iran vorbereitet (via).

“What the Iranians are doing is killing American servicemen and -women inside Iraq,” said Secretary of Defense Robert Gates.

Ich bin mal so frech und adaptiere diesen Satz:

What the U.S. government is doing is killing American servicemen and -women: inside e.g. Afghanistan and Iraq presently as well as Iran prospectively.

War aber klar, dass die jetzt damit kommen. Spätestens seit Irak zieht ja das mit den Massenvernichtungswaffen nicht mehr.

Sachsen und die VDS

Wollt ihr mal was lächerliches sehen?
Klick! (Video: “Debatte im sächsischen Landtag zur Vorratsdatenspeicherung”, via)

Um 1:00:00 herum spricht ein Typ im Namen der Regierung. Whaahahahaha, was der da gucken lässt, auch die anderen von der CesPedu. Und nicht vergessen: Immer hübsch die Kinderpono-Terroristen-Keule schwingen. Ganz wichtig.

Einziger Lichtblick: Ein mir neues Beispiel. Stalking-Opfer profitieren von der Vorratsdatenspeicherung, da nur so die Beweisaufnahme möglich ist. … Nicht.
Man kann beim Telefonanbieter immer noch (natürlich mit Zusatzkosten) eine sogenannte Fangschaltung installieren – bei der werden dann die Rufnummern aller eingehenden Anrufe, auch bei unterdrückter Rufnummer, zusätzlich protokolliert und in festgelegten Zeitintervallen zugeschickt. Wenn man also über einen längeren Zeitraum ungewollt angerufen wird, lässt man das einrichten und hat damit einen vor Gericht verwertbaren Beweis. Und mehr kriegen die beim Zugriff auf die Vorratsdaten auch nicht.
Aber der Versuch war gut.

Meine absolute Lieblingsstelle war allerdings die Behauptung, m.H. der VDS wäre es gar nicht möglich, Bewegungsprofile zu erstellen, weil die Position des Teilnehmers ja nur am Beginn des Gesprächs aufgezeichnet würde – und nicht fortlaufend mitten drin. Da musste ich dann schon ziemlich heftig lachen.

Wenn ihr euch nicht alles angucken wollt, dann wenigstens alles, wo der junge Mann von den Grünen redet. Es ist göttlich, wie der einfach Recht hat!

Wobei ich zu meiner Schande zugeben muss: Mit den Einschränkungen des BVerfG finde ich die Vorratsdatenspeicherung fast annehmbar. Sperren wir den BND noch aus und sorgen wir dafür, dass es nicht anderweitig missbraucht werden kann (Utopie!); ziehen wir die Kosten des Ganzen von den Diäten der Regierungsfraktionsmitglieder ab, anstatt sie auf die Unternehmen und damit auf die Nutzer abzuwälzen. In dem Fall würde ich die ganze Geschichte mit anderen Augen sehen. Und einen Briefkasten-Internetanbieter gründen – so billig komme ich nie wieder an einen Server.

1.Mai/Herrentag/Himmelfahrt

Das erste Mal in einer größeren Stadt als Genthin gefeiert. Ich habe noch nie so viele Betrunkene, Leute mit Bierflaschen, Spontan-aus-den-Latschen-Kippende, Vom-Fahrrad-Fallende, Schlangenlinienfahrer, Polizeitautos, Blaulichter, abgesperrte Straßen, vollgekotze Busplätze, In-den-Bus-Kotzer, … an einem Tag gesehen. Und ich war nur zwei Stunden draußen…

Nach oben