Der Choleriker
- 23.12.2008 14:01
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Die Leute, die einem gerne ein Zeitungsabo verkaufen wollen, stehen ja auch sehr oft auf unserem Hauptbahnhof und sprechen einen auf ein mögliches Zeitungsabo an.
Heute auch wieder: “Ey”
Ich, umgedreht: “Hm?”
Er: “Was liest du denn so für Zeitschriften”
Ich: “Keine”
Er: “Wat?”
Ich: “Keine, das mach ich alles online”
Er fragte, ob ich vielleicht an ner Zeitung zwei Monate kostenlos interessiert sei. War ich schonmal, wollte ich nicht wieder – sagte ich auch. Kann ich gar nicht sein, meint er, denn das ist ne ganze neue Aktion. Die versuchen, einen Schülerkurierservice aufzubauen, damit armen Schülern aus sozialschwachen Familien geholfen werden kann, und das geht erst seit zwei Wochen und außerdem stehen die hier mit Genehmigung vom Ordnungsamt, usw. Gut, wenn das tatsächlich andere Leute sind, kann man sich das ja mal angucken.
Es folgte ein mehrminütiges Verkaufsgespräch zur Auswahl der Zeitung. Als der Herr meine Skepsis sah, schlug er noch einen drauf: Das kostenlose Probeabo liefe nach zwei Monaten automatisch aus und wenn ich es verlängern wollte, müsste ICH mich melden. Klar, so sieht ein funktionierendes Geschäftsmodell aus, in einer Welt, in der Leute es nicht mal schaffen, sich um ihre wichtigsten Angelegenheiten zu kümmern – wie bspw. die Verlängerung ihres Mietvertrags.
Zumindest hatte er mein Interesse geweckt und ich willigte ein, mir mal den Wisch anzugucken. Was musste ich aber sehen: Der gleiche Zettel wie vor nem Jahr. Nix mit “brandheiß” und “meganeu”. Und dass man mit nem Zeitschriftenkurier Schüler aus sozialschwachen Familien “hilft”, ist auch nichts wirklich Neues – wobei die Bezahlraten gerne mal an Betrug grenzen (eigene Erfahrung).
Aber ich wollte das, was er mir da angeboten hat. Er zeigte mir den Aufbau des Zettels. Da steht das mit den zwei, da das mit den zwölf Monaten: “Ja, ich möchte eine Zeitschrift meiner Wahl 2 Monate kostenlos und 12 weitere Monate gegen Rechnung beziehen”. Wollte ich immer noch nicht und sagte ihm das auch. Er verwies genervt auf die Datenschutzbestimmungen, die ich las, wo das aber auch nicht anders erklärt sei.
Ich wiederholte, dass ich die Zeitschrift gar keine zwölf Monate möchte, dass genau das aber da steht. Er: “Sach mal, wieso erklär ich dir das eigentlich die ganze Zeit?! Du bist der Erste, der das, was ich erkläre, nicht versteht!” Ich wusste das auch nicht, warum er das alles erzählt, und erklärte ihm, dass er mir im Endeffekt auch einen Mercedes versprechen kann: Wenn das nicht auf dem Zettel steht, krieg ich den auch nicht. Er wird pampig: “Ja, das ist n VORDRUCK!” zur Datenaufnahme, weil ich meine Daten ja nicht nach zwei Monaten per Telefon durchgeben möchte. Später wiederholte er das “Argument”.
Ich ihm also erklärt, dass ich keinen Zettel unterschreiben kann, auf dem etwas steht, was ich so nicht möchte – auch wenn das nur ein Vordruck für ne andere Aktion ist. Er wird aggressiv, ob ich es nicht raffe, bla.
Kommt also die Markus-Offensive: Ich biete ihm an, dass ich das, was er mir gerade erzählt hat (läuft nach 2 Monaten aus, etc.), aufschreibe und er das unter Angabe von Name und Firma unterschreibt. Warum, fragt er. Damit ich im Zweifelsfall vor Gericht etwas in der Hand habe, sage ich.
Seine Verabschiedung war dann nicht so freundlich.