Archiv für Dezember 2008

Der Choleriker

Die Leute, die einem gerne ein Zeitungsabo verkaufen wollen, stehen ja auch sehr oft auf unserem Hauptbahnhof und sprechen einen auf ein mögliches Zeitungsabo an.

Heute auch wieder: “Ey”
Ich, umgedreht: “Hm?”
Er: “Was liest du denn so für Zeitschriften”
Ich: “Keine”
Er: “Wat?”
Ich: “Keine, das mach ich alles online”

Er fragte, ob ich vielleicht an ner Zeitung zwei Monate kostenlos interessiert sei. War ich schonmal, wollte ich nicht wieder – sagte ich auch. Kann ich gar nicht sein, meint er, denn das ist ne ganze neue Aktion. Die versuchen, einen Schülerkurierservice aufzubauen, damit armen Schülern aus sozialschwachen Familien geholfen werden kann, und das geht erst seit zwei Wochen und außerdem stehen die hier mit Genehmigung vom Ordnungsamt, usw. Gut, wenn das tatsächlich andere Leute sind, kann man sich das ja mal angucken.
Es folgte ein mehrminütiges Verkaufsgespräch zur Auswahl der Zeitung. Als der Herr meine Skepsis sah, schlug er noch einen drauf: Das kostenlose Probeabo liefe nach zwei Monaten automatisch aus und wenn ich es verlängern wollte, müsste ICH mich melden. Klar, so sieht ein funktionierendes Geschäftsmodell aus, in einer Welt, in der Leute es nicht mal schaffen, sich um ihre wichtigsten Angelegenheiten zu kümmern – wie bspw. die Verlängerung ihres Mietvertrags.
Zumindest hatte er mein Interesse geweckt und ich willigte ein, mir mal den Wisch anzugucken. Was musste ich aber sehen: Der gleiche Zettel wie vor nem Jahr. Nix mit “brandheiß” und “meganeu”. Und dass man mit nem Zeitschriftenkurier Schüler aus sozialschwachen Familien “hilft”, ist auch nichts wirklich Neues – wobei die Bezahlraten gerne mal an Betrug grenzen (eigene Erfahrung).

Aber ich wollte das, was er mir da angeboten hat. Er zeigte mir den Aufbau des Zettels. Da steht das mit den zwei, da das mit den zwölf Monaten: “Ja, ich möchte eine Zeitschrift meiner Wahl 2 Monate kostenlos und 12 weitere Monate gegen Rechnung beziehen”. Wollte ich immer noch nicht und sagte ihm das auch. Er verwies genervt auf die Datenschutzbestimmungen, die ich las, wo das aber auch nicht anders erklärt sei.
Ich wiederholte, dass ich die Zeitschrift gar keine zwölf Monate möchte, dass genau das aber da steht. Er: “Sach mal, wieso erklär ich dir das eigentlich die ganze Zeit?! Du bist der Erste, der das, was ich erkläre, nicht versteht!” Ich wusste das auch nicht, warum er das alles erzählt, und erklärte ihm, dass er mir im Endeffekt auch einen Mercedes versprechen kann: Wenn das nicht auf dem Zettel steht, krieg ich den auch nicht. Er wird pampig: “Ja, das ist n VORDRUCK!” zur Datenaufnahme, weil ich meine Daten ja nicht nach zwei Monaten per Telefon durchgeben möchte. Später wiederholte er das “Argument”.
Ich ihm also erklärt, dass ich keinen Zettel unterschreiben kann, auf dem etwas steht, was ich so nicht möchte – auch wenn das nur ein Vordruck für ne andere Aktion ist. Er wird aggressiv, ob ich es nicht raffe, bla.

Kommt also die Markus-Offensive: Ich biete ihm an, dass ich das, was er mir gerade erzählt hat (läuft nach 2 Monaten aus, etc.), aufschreibe und er das unter Angabe von Name und Firma unterschreibt. Warum, fragt er. Damit ich im Zweifelsfall vor Gericht etwas in der Hand habe, sage ich.

Seine Verabschiedung war dann nicht so freundlich.

Ohne Worte

Wer’s nicht guckt, ist selber Schuld

Naja, gut, doch Worte dazu: Er selbst redet erst ab Minute 9 (also 8:xx), aber das davor empfinde ich auch für wichtig.

Filmempfehlung

Auch auf die Gefahr hin, dass schon jeder diesen brillanten Streifen kennt und ich mich mit meiner Empfehlung zum Gespött der Leute mache:

“Prestige – Meister der Magie” – unbedingt ansehen!

Sorry for any inconvenience

Da ich momentan bis zu 845 Spam-Kommentare täglich erhalte, kann es passieren, dass mein Spamwächter Kommentare als Spam erkannt haben will, die jedoch kein Spam sind. Diese Zahl ist ein absolutes Maximum – bisher waren es eher 200.

Da hoffentlich niemand ernsthaft von mir erwartet, dass ich täglich so viele Spamkommentare lese, um eventuelle Fehleinschätzungen zu korrigieren, bitte ich vorsorglich für verschwundene Kommentare vielmals um Entschuldigung.

EDIT: Und endlich habe ich auch meine korrekte Kommentaranzeige wieder. Verfluchte Plugins, man kann nicht mit ihnen leben, aber auch nicht ohne sie.

Geschützt: Lebenslauf

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Geschützt: Never lost, but found

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Nichts zu verschenken

Hab ich schonmal erwähnt, dass ich Andreas für seine immerwährenden Versuche, mich vor Schmach und Schande zu retten, sehr dankbar bin? Nein? Ok, dann jetzt hier: Danke, Andy.

Willkommen in meinem Blog. Dies ist der Ort, wo ich mich über unangenehme Umstände auslassen kann. Hab ich in letzter Zeit nicht gemacht, deswegen jetzt.

Heute: Arbeit. Ich habe Arbeit, zweimal, beim selben Arbeitgeber. Einmal bin ich Mathe-Tutor (/-Übungsleiter), einmal AUD-Tutor (/-Tutor). Während in Mathe alles glatt läuft (zumindest der Stoff, den ich vermittle, nicht der Stoff, den ich eingesprescht bekommen soll), geht es in AUD drunter und drüber.
Eine unserer Hauptaufgaben als Tutoren ist es, den Studenten bei den AUD-Übungsaufgaben im richtigen Moment den richtigen Klaps auf den Hinterkopf zu geben. Beim Professor heißt sowas “Hilfe zur Selbsthilfe”.

Andreas und ich geben unser Tutorium montags um 19:00 Uhr. Freilich, wir haben uns den Termin ausgesucht – allerdings hatten wir keine Ahnung, dass wir damit voll in die Toilette greifen würden (wobei der Vorbenutzer vergessen hat zu spülen).

Jeden Montag um 8:30 Uhr gibt es eine Besprechung, in denen den Tutoren gesagt wird, was für ein Segen sie doch sind, während sie gleichzeitig natürlich auch Schelte für Fehltritte kassieren: Denkt euch keine eigenen Aufgaben aus, erfindet kein eigenes Votiersystem, helft den Studenten nicht bei ihren Fragen (wörtlich: “Greift nicht im Stoff vor!”), etc. pp.
Anschließend besuchen Andreas und ich Bestriebssysteme-, Datenbanken- und Mathematik-Vorlesungen (je 2 Stunden), gefolgt von zwei Freistunden, die für die Vorbereitung auf die darauffolgende 2-stündige Matheübung genutzt wird. Inzwischen ist es 18:45 Uhr. Uns bleibt eine halbe Stunde für die Vorbereitung auf unser Tutorium. So hatten wir uns das vorgestellt. Nicht vorgestellt haben wir uns, dass uns Montag früh auch noch gesagt wird, was wir den Studis auch noch im Tutorium beibringen sollen. Müssen wir nämlich innerhalb dieser halben Stunde auch noch erarbeiten/vorbereiten.
Nicht vorgestellt haben wir uns auch, was gleichzeitig auf der Erstsemester-Ebene passiert:

11:00-13:00 Uhr: Vorlesung für das Fach, danach werden die Vorlesungsfolien für den Tag online gestellt (Angabe ohne Gewähr). Wir dürfen nur das vermitteln, was in dieser Vorlesung und davor dran war, sonst Schelte. Fällt also in die zu erledigen Sachen in unseren 30 Minuten – das nacharbeiten und verstehen.

15:00 Uhr: Die Online-Einreichung für die aktuelle Woche wird geschlossen, gleichzeitig erscheinen die neuen Aufgabenblätter online (wobei seit letzter Woche wenigstens die Aufgabenblätter um 8:30 Uhr einmal vorgestellt werden). Unsere Aufgabe bis 19:15 Uhr: Durcharbeiten und Verstehen der Aufgaben sowie deren Lösungen (ohne Musterlösung zu erledigen). Dasselbe ist natürlich auch von den Studenten zu tun, da sie ja ansonsten keine aufgabenbezogenen Fragen stellen können. Die haben aber – genau wie wir auch – zwischen 15:00 Uhr und 19:00 Uhr noch mindestens eine Lehrveranstaltung.

Unsere Bemühungen bisher:

  • Versuch, den Einreichtermin auf 22:00 Uhr nach hinten legen zu lassen. Für gut befunden, dann plötzlich weitere Argumentation angefordert, dann plötzlich ohne Begründung abgelehnt. Später Verschieben der Einreichung auf 17:00 Uhr, “zur Entlastung des Servers”. Betretenes Schweigen bei den Studis, Andreas und mir.
  • Versuch, die Ausgabe der Übungsblätter auf Freitag nach vorn legen zu lassen. Abgelehnt, die Aufgaben müssen von den Übungsleitern durchgearbeitet und für passend befunden werden, dann erst Veröffentlichung. Betretenes Schweigen bei den Studis, Andreas und mir anlässlich eines Vergleiches, wer die Übungsblätter auch durcharbeiten muss und dafür kein Wochenende Zeit hat.
  • Heute persönliches Gespräch und Frage, ob wir – in Absprache mit den Studis – das Tutorium auf einen anderen Tag verschieben könnten. Abgelehnt, wir sollen doch sowieso nicht so viel bei den Aufgaben helfen, sondern lieber die abgemachten Themen behandeln. Die Frage, ob dafür nicht die Vorlesung gedacht ist und ob unsere Hauptaufgabe nicht die “Hilfe zur Selbsthilfe” statt der direkten Lehre ist, habe ich mir an der Stelle verkniffen. Auch, dass wir nicht ausreichend Vorbereitungszeit dafür haben, weil die Details ja auch erst Montag früh bekannt gegeben werden. Stattdessen: Betretenes Schweigen.

Jemand noch eine Idee?

Andreas denkt öffentlich darüber nach, ob es einen Weg gibt, aus dem Vertrag raus zu kommen. Begründung: “Ich hab mir das alles anders vorgestellt”

An der Stelle muss ich ihm Recht geben: Ich auch.

Warum er es noch nicht gemacht hat: Er hat Angst, dass seine Beschwerden missdeutet werden und er stattdessen in ein anderes Tutorium verfrachtet wird – dabei wollte er das Tutorium doch mit mir gemeinsam machen. Mir persönlich wär es auch lieber, wenn er nicht geht – weder in ein anderes Tutorium, noch ganz.

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